Es wird regelmäßig gestritten – oft mit erstaunlicher Schärfe, besonders aus politischen und rechtlichen Kontexten heraus kommt der Vorwurf, pflanzliche Produkte dürften nicht mit Begriffen wie „Wurst“ oder „Schnitzel“ bezeichnet werden.

Die Begründung lautet meist, diese Wörter seien eindeutig an Fleisch gebunden
und müßten daher geschützt werden.
Hinter dieser Argumentation steht die Vorstellung einer sprachlichen Hoheit:
bestimmte Begriffe gelten als exklusiv, als zugehörig zu einer bestimmten Produktionsweise
oder zu einem bestimmten Rohstoff.
Dieser Beitrag stellt nicht die Frage, was man essen sollte, sondern was Wörter tatsächlich bezeichnen –
und ob es eine solche Worthoheit in der Sprache überhaupt je gegeben hat.
Eine vegane Wurst heißt Wurst.
Ein pflanzliches Schnitzel heißt Schnitzel.
Und manche reagieren, als sei damit etwas „gestohlen“ worden.
Interessant ist dabei weniger der Geschmack – sondern die Sprache.
Denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich:
Die Empörung richtet sich nicht gegen falsche Wörter, sondern gegen eine veränderte Ordnung.
Tier, Fleischstück und Gericht waren nie dasselbe
Schon in der klassischen Fleischverarbeitung gibt es klar getrennte Ebenen:
- Das Tier
Schwein, Rind, Kalb.
Diese Ebene endet mit der Schlachtung. - Die Zerlegung
Danach spricht niemand mehr vom Tier, sondern von
Bug, Schulter, Lende, Bauch, Keule, Nacken, Brust.
Das sind anatomische Bezeichnungen – keine Gerichte.
Niemand sagt:
„Das da hinten ist das Schnitzel.“
Sondern:
„Das ist die Keule.“
Die Zubereitung
Erst in der Küche entstehen:
Schnitzel, Braten, Hack, Wurst, Ragout, Geschnetzeltes.
👉 Diese Wörter beschreiben ausschließlich, was man mit einem Rohstoff macht –
nicht, was er einmal war.
Was die Wörter tatsächlich bedeuten
Ein Blick auf die Wortherkunft macht das deutlich.
Wurst
Das Wort stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet sinngemäß etwas Zusammengedrehtes, Gewundenes, Geformtes.
Es beschreibt die Verarbeitung, nicht den Inhalt.
Darum sagen wir bis heute:
– etwas „zusammengewurstelt“
– Reste „verwursten“
Ein Fleischbezug steckt im Wort selbst nicht.
Schnitzel
Abgeleitet von snitzen – schneiden.
Ein Schnitzel ist ein geschnittenes Stück.
Ein Apfelschnitz folgt exakt derselben Sprachlogik.
Hack / gehackt
Hacken bedeutet zerteilen:
Holz hacken, Kräuter hacken, Daten hacken.
„Hackfleisch“ ist eine spätere inhaltliche Festlegung,
nicht die ursprüngliche Bedeutung.
Bratling
Ein Bratling ist schlicht etwas, das gebraten wird.
Auch hier: Zubereitung, keine Tierzuordnung.

Woher kommt dann der Ärger?
Der Konflikt entsteht nicht aus Sprachfehlern, sondern aus einer unausgesprochenen Annahme:
„Diese Wörter gehören uns.“
Das ist keine sprachliche, sondern eine kulturelle Besitzfrage.
Über Jahrzehnte wurden Küchenbegriffe
– mit Tier gleichgesetzt,
– emotional aufgeladen,
– zur Norm erklärt.
Wenn nun dieselben Begriffe verwendet werden, ohne daß ein Tier getötet wurde, wird das nicht als Täuschung empfunden –
sondern als Infragestellung einer Selbstverständlichkeit.
Nicht die Sprache provoziert.
Sondern die Möglichkeit, daß vertraute Wörter plötzlich ohne Tier auskommen.
Eine nüchterne Klarstellung
Schnitzel ist kein Körperteil.
Wurst ist kein Tier.
Hack ist keine Spezies.
Es sind Küchenbegriffe.
Wer sich darüber ärgert, daß ein pflanzliches Produkt so heißt, vermischt zwei Ebenen, die selbst in der Fleischkultur immer getrennt waren: das Tier und das Gericht.

Zum Schluß
Vielleicht geht es bei der Aufregung weniger um Sprache –
und mehr um Gewohnheit.
Sprache gehört niemandem.
Essen auch nicht.
Was sich verändert, ist nicht die Bezeichnung, sondern die Vorstellung davon.
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