Teil 5 -Das Geschäft mit der Fülle – Die Schule der Gurus – Wer bildet eigentlich unsere Menschenverbesserer aus?

Willkommen in einer Bildungswelt, in der man zunächst sich selbst findet, anschließend seine Berufung entdeckt und irgendwann anderen Menschen erklärt, wie sie ihre eigene Berufung finden.

Nachdem wir uns die Könige und Königinnen der Fülle und ihre Preislisten angesehen haben, interessiert mich jetzt eine ganz andere Frage.

Wer hat diesen Menschen eigentlich beigebracht, wie das Leben funktioniert?

Denn irgendwo müssen die vielen Coaches, Mentoren, Bewusstseinslehrer und spirituellen Begleiter ihre Kenntnisse erworben haben.

Oder etwa nicht?

Natürlich kann man Psychologie studieren, eine therapeutische Berufsausbildung absolvieren oder jahrelang praktische Erfahrung sammeln.

Man kann aber auch eine private Coachingausbildung buchen.

Und manchmal bietet derjenige, der gerade noch erklärt hat, wie man sein eigenes Leben verbessert, bereits die passende Ausbildung an, um anschließend das Leben anderer Menschen zu verbessern.

Das klingt nach einer wunderbaren Geschäftsidee. 😂

  1. Vom Suchenden zum zertifizierten Lebensbegleiter

Stellen wir uns einmal einen Menschen vor, der mit seinem Leben unzufrieden ist.

Er entdeckt ein kostenloses Webinar.

Dort erfährt er, dass seine Probleme möglicherweise mit alten Glaubenssätzen, mangelnder Selbstliebe oder blockierten Potenzialen zusammenhängen.

Er kauft einen Kurs.

Besucht anschließend ein Seminar.

Entdeckt seine Berufung.

Und plötzlich kommt die entscheidende Erkenntnis:

Er möchte anderen Menschen helfen, dieselben Erfahrungen zu machen.

Praktischerweise gibt es dafür eine Ausbildung.

Natürlich gegen Bezahlung.

Am Ende hält unser ehemaliger Suchender ein Zertifikat in den Händen.

Und wenn alles gut läuft, eröffnet er seine eigene Coachingpraxis.

Aus einem Kunden ist ein Anbieter geworden.

Damit beginnt ein Kreislauf, den wir genauer untersuchen wollen.

  1. Der Coach mit dem Markennamen

Besonders interessant sind Ausbildungen, die mit einer eigenen Methode oder einem bekannten Namen verbunden sind.

Ein Beispiel liefert Robert Betz.

Seine Ausbildung in Transformations-Therapie kostet laut offizieller Preisliste regulär 6.400 Euro.

Wer vorher seinen Transformationsprozess absolviert und beide Programme gemeinsam bucht, findet Kombipreise zwischen 9.950 und 10.390 Euro.

Hinzu können Kosten für Unterkunft und Verpflegung kommen.

Die Ausbildung erfolgt nach einem festgelegten Konzept, das innerhalb des Angebots vermittelt wird.

Nun interessiert mich eine grundsätzliche Frage:

Wie unterscheidet sich eine solche Ausbildung von einer staatlich geregelten therapeutischen Qualifikation?

Welche Kompetenzen werden geprüft?

Welche Tätigkeiten dürfen Absolventen anschließend ausüben?

Und wie erkennen Kunden diesen Unterschied?

Denn das Wort Therapie klingt für viele Menschen zunächst nach einer medizinischen oder psychotherapeutischen Qualifikation.

Genau deshalb lohnt es sich, den jeweiligen Abschluss sorgfältig zu untersuchen.

  1. Silber, Gold oder Diamant – wie viel Coach darf es sein?

Bei Veit Lindau beziehungsweise homodea begegnet uns eine besonders anschauliche Ausbildungsstruktur.

Die veröffentlichte Ausschreibung des Life Trust Guide, dessen Durchgang im Mai 2025 begann, enthielt drei Pakete:

Silber für 3.200 Euro.

Gold für 4.800 Euro.

Diamant für 6.400 Euro.

Je nach Paket wurden unterschiedliche Begleitungen, zusätzliche Inhalte und Zertifikate angeboten.

Auch Prüfungen und praktische Aufgaben waren Bestandteil des Konzepts.

Das ist zunächst eine klar gegliederte Weiterbildung.

Mich beschäftigt allerdings die Frage, welche Bedeutung die dort ausgestellten Zertifikate außerhalb dieses Ausbildungsumfeldes besitzen.

Ein Zertifikat bestätigt schließlich erst einmal, dass die Anforderungen des jeweiligen Ausstellers erfüllt wurden.

Interessant wäre deshalb, wie die Absolventen ihre erworbenen Fähigkeiten später einsetzen.

Wie viele werden selbstständige Coaches?

Wie viele bleiben innerhalb der Community?

Und wie viele benötigen anschließend weitere Ausbildungen, um tatsächlich Kunden zu gewinnen?

Vielleicht finden wir hier eines der interessantesten Geschäftsmodelle unserer Recherche.

Eine Schule, deren Absolventen anschließend dieselbe Branche vergrößern, in der sie ausgebildet wurden.

Gurus sind teuer

  1. Dieter Lange und die Frage nach dem Preisschild

Bei Greator finden wir die Lebensschule mit Dieter Lange.

Sie verspricht Orientierung, persönliche Entwicklung und die Entdeckung des eigenen inneren Kompasses.

Es gibt unterschiedliche Ausbildungsvarianten.

Im Programm Advanced steht die eigene Entwicklung im Vordergrund.

Im Programm Pro können Teilnehmer nach erfolgreichem Abschluss die Zertifizierung als „Coach nach Dieter Lange“ erwerben.

Und der Preis?

Den erfährt man laut Anbieter im kostenlosen Erstgespräch.

Das finde ich bemerkenswert.

Wir können heute online Häuser, Autos, Studiengänge und Fernreisen miteinander vergleichen.

Aber für manche Coachingausbildungen benötigt man erst ein persönliches Gespräch, um den Preis zu erfahren.

Vielleicht gehört die Preisfindung bereits zur ersten Übung in Selbstvertrauen. 😂

Mich interessiert dabei, weshalb die vollständigen Kosten nicht unmittelbar auf der Angebotsseite stehen.

Und ob verschiedene Interessenten tatsächlich identische Angebote erhalten.

Das werden wir bei den Einzeldossiers nachfragen.

  1. Laura Malina Seiler – die spirituelle Ausbildung

Auch Laura Malina Seiler bietet eine eigene Spiritual-Life-Coach-Ausbildung an.

Besonders aufschlussreich ist eine kleine Entdeckung im offiziellen Onlineshop.

Dort wird eine Wiederholung der Abschlussprüfung für 29,41 Euro angeboten.

Teilnehmer des Jahrgangs 2025 können bis 2027 erneut eine Coachingsequenz zur Bewertung einreichen, falls sie die Prüfung zuvor nicht bestanden haben.

Die erfolgreiche Prüfung führt zum Zertifikat „Spiritual Life Coach by Laura Malina Seiler“.

Das zeigt zunächst, dass ein Prüfungsverfahren vorgesehen ist.

Mich interessieren nun dessen genaue Kriterien, die Prüfer und die unabhängige Anerkennung des Abschlusses.

Und natürlich die Gesamtkosten der Ausbildung, die wir für dieses Dossier noch nicht vollständig verifizieren konnten.

Denn ein schön gestaltetes Zertifikat kann eine bestandene Prüfung dokumentieren.

Welche fachlichen Fähigkeiten dahinterstehen, ergibt sich erst aus den tatsächlichen Prüfungsanforderungen.

https://wiensworld.de/teil-1-das-geschaeft-mit-der-fuelle-warum-ist-die-welt-noch-nicht-geheilt-wenn-es-so-viele-coaches-gibt

https://wiensworld.de/teil-2-das-geschaeft-mit-der-fuelle-die-fuelle-maschine-wer-verdient-hier-eigentlich-woran

https://wiensworld.de/teil-3-das-geschaeft-mit-der-fuelle-die-koenige-und-koeniginnen-der-fuelle

https://wiensworld.de/teil-4-das-geschaeft-mit-der-fuelle-der-preis-der-erleuchtung-vom-kostenlosen-webinar-bis-zum-vip-mentoring

  1. Und wer bildet die zukünftigen Bühnenstars aus?

Ein Blick auf den benachbarten Markt der Rednerausbildungen zeigt, wie weit die berufliche Vermarktung persönlicher Erfahrungen reichen kann.

Greator bietet mit „TheKey“ eine neunmonatige Speaker-Ausbildung für 10.900 Euro an.

Das umfangreichere Bühnenpaket liegt nach Angaben des Anbieters im fünfstelligen Bereich.

Hier geht es ausdrücklich um eine Rednerausbildung, nicht um einen Coachingabschluss.

Aber der wirtschaftliche Zusammenhang ist interessant.

Denn wer mit seinen Methoden Menschen erreichen möchte, benötigt häufig eine Bühne.

Und wer die Bühne beherrscht, kann anschließend Bücher, Vorträge, Seminare und Programme vermarkten.

Die Frage lautet also:

Wie viel der Ausbildung dient der fachlichen Kompetenz?

Und wie viel der Fähigkeit, sich selbst erfolgreich zu verkaufen?

Beides kann für Selbstständige sinnvoll sein.

Wir sollten allerdings wissen, wofür sie bezahlen.

  1. Ein Zertifikat ist noch keine Berufsqualifikation

Jetzt kommen wir zu einem besonders wichtigen Unterschied.

Die Industrie- und Handelskammer Hannover erklärt, dass selbst ein IHK-Zertifikat kein staatlich anerkannter Berufsabschluss ist.

Es bestätigt eine qualifizierte Lehrgangsteilnahme mit interner Prüfung.

Daneben existieren professionelle Coachingverbände.

Die International Coaching Federation verlangt beispielsweise für ihre Zertifizierungsstufen ACC, PCC und MCC unterschiedlich umfangreiche Ausbildungen und dokumentierte Coachingpraxis.

Für die Einstiegsstufe ACC sind mindestens 60 Stunden coachspezifische Ausbildung und 100 Stunden Coachingpraxis vorgesehen.

Beim höchsten Abschluss MCC sind es mindestens 200 Ausbildungsstunden und 2.500 Stunden Coachingpraxis sowie weitere Anforderungen.

Auch der Deutsche Verband für Coaching und Training verfügt über eigene Prüfverfahren.

Dort gehören beispielsweise ein Live-Coaching, eine schriftliche Ausarbeitung und ein Fachgespräch zur Zertifizierung.

Das bedeutet:

Wir müssen bei jedem einzelnen Anbieter prüfen, wer das Zertifikat ausstellt, welche Fähigkeiten geprüft werden und welchen tatsächlichen Wert der Abschluss besitzt.

Denn wer seine eigene Methode entwickelt und anschließend ein Zertifikat für diese Methode vergibt, beurteilt damit zunächst die Beherrschung seines eigenen Konzepts.

Eine externe Prüfung kann zusätzliche Aussagekraft schaffen.

  1. Wie viel Geld steckt im Ausbildungsgeschäft?

Jetzt rechnen wir einmal.

Angenommen, eine Ausbildung kostet 6.400 Euro.

Bei 25 Teilnehmern ergibt das rechnerisch 160.000 Euro.

Bei 50 Teilnehmern wären es 320.000 Euro.

Das sind theoretische Bruttoeinnahmen vor Kosten und Steuern, keine nachgewiesenen Umsätze eines bestimmten Anbieters.

Aber die Größenordnung zeigt, weshalb Ausbildungen ein wirtschaftlich interessantes Geschäftsmodell sein können.

Besonders dann, wenn eine bekannte Persönlichkeit ihre Methode über andere Trainer vermitteln lässt.

Mich interessiert deshalb auch, wie viele Menschen nach ihrer eigenen Ausbildung weitere Programme buchen.

Supervision.

Mastermind-Gruppen.

Fortbildungen.

Business-Mentoring.

Vielleicht eine Ausbildung zum Ausbilder.

Denn irgendwann möchte man ja schließlich nicht nur Coach sein.

Man möchte auch anderen Coaches beibringen, wie man ein erfolgreicher Coach wird. 😂

  1. Die wichtigste Prüfung steht noch aus

Unsere Recherche wird sich deshalb nicht allein mit der Ausbildung selbst beschäftigen.

Ich möchte wissen, was danach geschieht.

Wie viele Absolventen machen sich tatsächlich selbstständig?

Wie viele können davon leben?

Wie viele geben ihren neuen Beruf wieder auf?

Und wie viele verdienen hauptsächlich dadurch Geld, dass sie weitere Coaches ausbilden?

Gerade diese Zahlen wären ausgesprochen interessant.

Denn wenn eine Ausbildung mit beruflichen Perspektiven wirbt, wäre es hilfreich, die tatsächlichen beruflichen Ergebnisse ihrer Absolventen zu kennen.

Eine Schule kann Tausende erfolgreiche Prüfungen durchführen.

Ob daraus auch Tausende erfolgreiche Existenzen entstehen, ist eine andere Frage.

Mein Fazit: Die Schule, in der die Lehrer ihre eigenen Lehrer ausbilden

Ich finde diese Branche zunehmend faszinierend.

Hier werden Lebensgeschichten zu Methoden.

Methoden werden zu Seminaren.

Seminare werden zu Ausbildungen.

Und Ausbildungen bringen möglicherweise die nächste Generation von Menschen hervor, die uns erklären, wie das Leben funktioniert.

Daran kann durchaus etwas Wertvolles sein.

Menschen lernen voneinander, entwickeln Fähigkeiten und geben Erfahrungen weiter.

Aber gerade dort, wo persönliche Entwicklung mit großen Zukunftsversprechen verbunden wird, möchte ich wissen, was sich tatsächlich überprüfen lässt.

Welche Fähigkeiten wurden vermittelt?

Welche Qualifikationen erworben?

Welche beruflichen Ergebnisse erzielt?

Und wer verdient daran, wenn ein Teilnehmer anschließend selbst zum Anbieter wird?

Vielleicht liegt das eigentliche Geheimnis des Coachinggeschäfts also in einer erstaunlich einfachen Erkenntnis:

Wer das Glück gefunden hat, kann es verkaufen.

Wer anderen beibringt, das Glück zu verkaufen, hat möglicherweise ein noch interessanteres Geschäftsmodell entdeckt. 😂

Fortsetzung folgt: Teil 6 – Wer empfiehlt wen? Die Netzwerke, Provisionen und Geschäftsverbindungen hinter der Fülle.

Die begleitende PDF enthält Ausbildungsbeispiele, Preise, Zertifizierungsstandards, Modellrechnungen, offene Recherchefragen und zwölf Originalquellen. Fuelle_Teil5_Die_Schule_der_Gurus

Von Wiensworld

Selbst und das ständig!