Teil 2 -Das Geschäft mit der Fülle – Die Fülle-Maschine: Wer verdient hier eigentlich woran?

Fülle mit Kassieren

Von der kostenlosen Erleuchtung bis zur kostenpflichtigen Meisterklasse.

Im ersten Teil meiner Recherche stellte ich eine einfache Frage: Warum ist die Welt noch nicht geheilt, wenn es so viele Coaches gibt?

Heute schauen wir uns an, was hinter diesem gigantischen Geschäft steckt.

Und ich muss sagen: Je tiefer ich grabe, desto interessanter wird es. Denn offenbar gibt es inzwischen für nahezu jedes menschliche Problem jemanden, der eine Lösung verkauft.

Du hast kein Geld? Buche ein Geld-Mindset-Coaching.

Du bist unglücklich? Arbeite an deiner Schwingung.

Du bist einsam? Manifestiere deinen Seelenpartner.

Du bist erschöpft? Entdecke deine innere Göttin.

Und falls das alles nicht funktioniert?

Dann hast du wahrscheinlich noch eine Blockade. Zum Glück gibt es dafür einen Aufbaukurs. 😂

  1. Willkommen im Supermarkt der Erleuchtung

Der Coachingmarkt gleicht inzwischen einem riesigen Einkaufszentrum. Nur dass man hier statt Schuhen, Lebensmitteln und Haushaltsgeräten vor allem Hoffnung, Veränderung und persönliche Erfüllung kaufen kann.

Für meine Recherche habe ich die Angebote zunächst in 15 Sparten unterteilt:

  1. Business- und Unternehmercoaching
  2. Karriere- und Führungscoaching
  3. Geld-, Reichtums- und Erfolgscoaching
  4. Persönlichkeitsentwicklung und Mindset
  5. Beziehungs-, Liebes- und Familiencoaching
  6. Gesundheits- und Ernährungscoaching
  7. Fitness- und Körpercoaching
  8. Spirituelles Coaching und Bewusstseinsentwicklung
  9. Manifestation und Gesetz der Anziehung
  10. Energiearbeit und alternative Heilversprechen
  11. Human Design, Astrologie und Persönlichkeitsdeutung
  12. Weiblichkeits-, Männlichkeits- und Sexualitätscoaching
  13. Trauma-, Blockaden- und Inneres-Kind-Angebote
  14. Ausbildung und Zertifizierung neuer Coaches
  15. Online-Akademien, Mitgliederclubs und Coaching-Communitys

Die Bereiche überschneiden sich häufig. Wer Manifestation verkauft, bietet vielleicht gleichzeitig Geldcoaching, Energiearbeit und eine Ausbildung zum Manifestationscoach an.

Und damit wird die Sache wirtschaftlich interessant.

  1. Milliardenumsätze – aber wer zählt eigentlich mit?

Laut der International Coaching Federation arbeiteten 2025 weltweit schätzungsweise 122.974 professionelle Coaches. Der geschätzte Jahresumsatz: 5,34 Milliarden US-Dollar.

Und das erfasst längst nicht die gesamte Welt spiritueller Mentoren, selbst ernannter Lebenslehrer, Online-Gurus und alternativer Beratungsangebote.

Hier beginnt unser erstes Problem.

Für viele Sparten existieren überhaupt keine eigenständigen, verlässlich erhobenen Umsatzstatistiken.

Man kann also nicht einfach sämtliche Wellness-, Coaching- und Selbsthilfemärkte zusammenzählen und behaupten, das sei der Umsatz aller Gurus.

Deshalb unterscheiden wir in unserer PDF zwischen belegten Branchenzahlen, angrenzenden Märkten und Modellrechnungen.

Aber schon die nachgewiesenen Milliardenbeträge sind bemerkenswert.

Offenbar funktioniert zumindest eines in diesem Geschäft ziemlich zuverlässig: das Geschäft selbst.

  1. Erst kostenlos, dann grenzenlos

Schauen wir uns ein häufig anzutreffendes Verkaufsmodell an.

Am Anfang steht ein kostenloses Video.

Vielleicht mit dem Titel: „Die sieben Geheimnisse, die dein Leben für immer verändern.“

Danach folgt ein kostenloses Webinar.

Anschließend wird ein Einsteigerkurs angeboten. Dann ein Intensivseminar. Eine persönliche Begleitung. Die Masterclass. Und schließlich die Ausbildung, mit der man selbst anderen Menschen zum Durchbruch verhelfen kann.

Natürlich gibt es unterschiedliche und durchaus seriöse Geschäftsmodelle.

Aber bei manchen Angeboten entsteht eine interessante Verkaufsleiter.

Vom Hilfesuchenden zum zahlenden Teilnehmer, vom Teilnehmer zum ausgebildeten Coach und vom Coach zum nächsten Anbieter.

Irgendwann frage ich mich, ob hier tatsächlich mehr Menschen glücklich werden oder einfach immer mehr Menschen anderen erklären, wie man glücklich wird.

  1. Die Ausbildung der Ausbilder der Ausbilder

Ein besonders spannender Bereich ist der Markt für Coachingausbildungen.

Wer darf eigentlich einen anderen Menschen zum Coach ausbilden?

Welche Ausbildung benötigt der Ausbilder selbst?

Was steckt hinter Zertifikaten mit beeindruckenden Namen?

Und wer verdient daran, wenn jedes Jahr weitere Coaches auf den Markt kommen?

Dabei geht es auch um Anbieter, die ihre eigene Methode entwickeln, sie schützen lassen und anschließend Ausbildungslizenzen verkaufen.

Das kann ein legitimes Geschäftsmodell sein.

Interessant wird es, wenn die wirtschaftlichen Erfolge vor allem dadurch entstehen, dass immer neue Menschen lernen, dieselbe Methode weiterzuverkaufen.

Dann müssen wir fragen: Wo entsteht der tatsächliche Nutzen für den Endkunden?

  1. Rechnen wir einmal nach

Nehmen wir einen erfundenen Coach.

Er verkauft einen Onlinekurs für 999 Euro.

1.000 Käufer bringen ihm 999.000 Euro Umsatz.

Anschließend entscheiden sich 100 Teilnehmer für eine Weiterbildung zu jeweils 5.000 Euro.

Weitere 500.000 Euro Umsatz.

Zusammen macht das knapp 1,5 Millionen Euro.

Eine einfache Modellrechnung, noch ohne Werbekosten, Steuern, Personal oder sonstige Ausgaben.

Aber sie zeigt, welche Umsätze digitale Kursmodelle ermöglichen.

Dafür muss der Anbieter nicht eine Million Menschen erreichen.

Es reicht eine vergleichsweise kleine Gruppe zahlungsbereiter Kunden.

Und die entscheidende Frage bleibt: Was ist mit den versprochenen Ergebnissen?

  1. Der Kunde hat immer eine Blockade

Besonders kritisch sehe ich Geschäftsmodelle, bei denen ein ausbleibender Erfolg grundsätzlich dem Kunden zugeschrieben wird.

Du hast den Reichtum nicht manifestiert?

Dann glaubst du noch nicht fest genug daran.

Deine Beziehung hat sich nicht verbessert?

Dann hast du deine alten Muster noch nicht aufgelöst.

Deine Gesundheit ist unverändert?

Dann stimmt angeblich deine Energie noch nicht.

Mit solchen Erklärungen lassen sich Versprechen praktisch unangreifbar machen.

Denn wenn ein Kurs nicht funktioniert, kann man immer behaupten, der Teilnehmer habe ihn nicht richtig umgesetzt.

Mich interessiert deshalb, welche Anbieter ihre Erfolge tatsächlich messen und offenlegen.

Wie viele Kunden erreichen ihre Ziele? Über welchen Zeitraum? Und wie viele brechen ab?

  1. Selbst die Verbraucherzentralen schlagen Alarm

Das Thema ist längst keine harmlose Internetkuriosität.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnte 2025 ausdrücklich vor überteuerten Online-Coachings mit unrealistischen Erfolgsversprechen.

Auch im August 2026 berichtete sie über Methoden, bei denen zunächst kostenlose Angebote locken und anschließend teure Vertragsabschlüsse unter Druck herbeigeführt werden.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Coach unseriös arbeitet.

Aber wenn Verbraucherschützer wiederholt warnen, lohnt es sich, die Geschäftsmodelle genauer anzusehen.

  1. Wer kennt wen – und wer verdient mit?

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Recherche wird das Netzwerk hinter den Anbietern.

Wer hat bei wem gelernt?

Wer empfiehlt welche Kurse?

Wo werden Provisionen für neue Kunden bezahlt?

Welche Unternehmen betreiben mehrere Coachingmarken?

Und welche scheinbar unabhängigen Experten verkaufen letztlich dieselben Methoden?

Wir werden uns auch ansehen, ob kleinere Anbieter tatsächlich eigenständige Konzepte entwickeln oder hauptsächlich Geschäftsmodelle größerer Mentoren übernehmen.

Denn eine große Reichweite sagt zunächst wenig über fachliche Qualifikation aus.

Und ein beeindruckender Künstlername noch weniger.

https://wiensworld.de/teil-1-das-geschaeft-mit-der-fuelle-warum-ist-die-welt-noch-nicht-geheilt-wenn-es-so-viele-coaches-gibt

  1. Die große Frage nach dem Ergebnis

Am Ende interessiert mich die Wirkung.

Wenn weltweit Milliarden mit Coaching umgesetzt werden, welche überprüfbaren Verbesserungen entstehen daraus?

Wie viele Menschen werden tatsächlich finanziell unabhängiger?

Wie viele benötigen nach einem Kurs keine weitere Unterstützung?

Welche Methoden sind wissenschaftlich untersucht?

Und welche Behauptungen bleiben schlicht Behauptungen?

Es gibt Studien, die positive Effekte professionellen Coachings zeigen. Doch solche Ergebnisse lassen sich nicht auf jedes spirituelle Angebot oder jedes Reichtumsversprechen übertragen.

Genau hier werden wir genauer unterscheiden.

Denn ein erfolgreicher Verkauf ist noch lange kein Beweis für eine erfolgreiche Methode.

  1. Mein vorläufiges Fazit: Die Fülle ist offenbar angekommen

Zumindest auf manchen Geschäftskonten.

Ich finde es bemerkenswert, dass ausgerechnet eine Branche, die so viel über inneren Reichtum, Selbstbestimmung und Freiheit spricht, teilweise auf immer neue kostenpflichtige Programme setzt.

Die Menschen sollen unabhängig werden, benötigen dafür aber möglicherweise erst einen Coach, einen Aufbaukurs und anschließend eine Masterclass.

Vielleicht sogar ein lebenslanges Mentoring.

Und dann noch die Ausbildung zum Coach, damit sie anderen Menschen erklären können, wie man unabhängig wird.

Herrlich. 😂

Doch hinter der Ironie steht eine ernsthafte Frage.

Was wäre, wenn wir den Erfolg dieser Branche künftig daran messen würden, wie viele Menschen ihre Hilfe anschließend tatsächlich nicht mehr benötigen?

Das wäre einmal eine interessante Erfolgsstatistik.

Und genau diese wollen wir suchen. Also auf zu Teil 3….

Hier die Recherche als PDF: Fuelle_Teil2

Von Wiensworld

Selbst und das ständig!