„Machet euch die Erde untertan.“
(Genesis 1,28)
Dieser Satz gehört zu den meist mißbrauchten der Bibel.
Er wurde gelesen als Freibrief zur Ausbeutung, zur Unterwerfung, zum Raubbau.
Doch wer ihn so liest, hat das Entscheidende übersehen: Verantwortung.
Untertan machen bedeutet nicht Vernichten.
Es bedeutet Verstehen, Hüten, Ordnen.
Viele alte Kulturen wußten das.
Die Maya, die ausgelöscht wurden.
Indigene Völker weltweit – die Ureinwohner ihrer Länder.
Sie verstanden Reichtum nicht als Geld,
sondern als Beziehung zum Land,
als Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Nur die sogenannten Industrienationen haben Reichtum auf Geld reduziert.
Das ist ein fundamentaler Irrtum.
Ich bin der Wert.
Nicht das Geld.
Die Erde gehört niemandem
Weder den USA.
Noch Dänemark.
Noch Konzernen, Fonds oder Staaten.
Die Erde ist kein Besitz.
Sie ist eine Leihgabe.
Und Leihgaben verpflichten.
Ressourcen mit globaler Wirkung –
Land, Wasser, Bodenschätze, Energie –
können logisch keinem Einzelnen gehören,
weil ihre Nutzung immer andere betrifft.
Das Besitznarrativ, auf dem unsere Weltordnung beruht,
ist an dieser Stelle defekt.
Inkarnation ist Aufenthalt auf Zeit
Wir landen nicht zufällig hier.
Wir inkarnieren – wir „werden zu Fleisch“.
Dieser Körper ist nicht unser Eigentum.
Er ist ein Fahrzeug auf Zeit.
Diese Erde ist kein Endziel.
Sie ist ein Lernplanet.
Wir kommen.
Wir gehen.
Wir kommen wieder.
Es gibt junge Seelen und reife Seelen.
Seelen, die noch lernen.
Und Seelen, die sich erinnern.
Jede trägt einen Plan in sich.
Keinen äußeren Auftrag,
sondern eine innere Spur.
Man findet sie nicht am Markt.
Man findet sie, indem man den eigenen Talenten folgt.
Untertan – ja. Eigentümer – nein.
Ich bin der Erde untertan.
Mit Ehrfurcht.
Untertan heißt:
- pflegen statt plündern
- nutzen statt horten
- schützen statt besitzen
Land darf bewohnt werden.
Es darf bearbeitet werden.
Es darf gehütet werden.
Aber niemand darf es als absolutes Eigentum ausrufen.
Besitz im Sinne von Verantwortung: ja.
Besitz im Sinne von Ausschluß anderer: nein.
Geld ist eine Erfindung – und keine heilige
Geld ist kein Naturgesetz.
Es ist eine menschliche Erfindung.
Und in seiner heutigen Form –
entkoppelt, zinstragend, spekulativ –
ist es eine destruktive Konstruktion.
Wenn wenige:
- Ressourcen monopolisieren
- Kapital vermehren, ohne realen Wert zu schaffen
- Menschen in Abhängigkeit halten
dann ist das kein Wirtschaftssystem.
Dann ist es moderne Sklaverei.
Wir arbeiten nicht mehr für das Leben.
Wir arbeiten, um ein System zu füttern,
das sich von der Realität abgelöst hat –
auf Kosten unzähliger begabter, kreativer, verantwortungsvoller Menschen.
Man kann dieses System biblisch nennen.
Man kann es satanisch nennen –
nicht im religiösen, sondern im trennenden Sinn:
Es trennt Mensch von Wert.
Arbeit von Sinn.
Leben von Würde.
Es steht eine Umverteilung an
Vielleicht die größte, die es je gab.
Nicht als Raub.
Nicht aus Neid.
Sondern als Korrektur eines Irrtums.
Ressourcen gehören allen.
Ihre Nutzung muß:
- fair vergütet
- ökologisch getragen
- global verantwortet
sein.
Wer nutzt, zahlt.
Wer zerstört, gleicht aus.
Wer schützt, wird getragen.
Das ist kein Sozialismus.
Das ist gesunder Menschenverstand auf Planetenniveau.
Grönland ist kein Einzelfall – Grönland ist ein Symbol.
Ein Eisblock, der zeigt,
wie roh und rückständig die Besitzlogik noch immer ist.
Wer militärisch stark ist, glaubt, kaufen zu dürfen.
Wer Geld hat, glaubt, beanspruchen zu können.
Doch genau hier liegt der Denkfehler:
Stärke ersetzt keine Legitimität.
Die leichte oder die harte Tour
Wir können diese Lektion auf die leichte Tour lernen:
- durch Einsicht
- durch Neuordnung
- durch freiwillige Verantwortung
Oder auf die harte Tour:
- durch Konflikte
- durch ökologische Brüche
- durch soziale Explosionen
Lernplaneten bieten immer beide Wege.
Fazit
Die Erde gehört niemandem.
Aber ihre Nutzung verpflichtet jeden.
Wer das verstanden hat,
muß nicht mehr erobern –
sondern kann endlich gestalten.

