Neulich stolperte ich auf Telegram über eine Behauptung, die mich zunächst schmunzeln ließ.
Benjamin Fulford behauptete sinngemäß, er habe Kontakt zu Bob Joyce und dieser habe ihm eine Liste mit rund 900 Namen gegeben – Menschen, die angeblich offiziell verstorben seien, tatsächlich aber noch leben und sich in Zeugenschutzprogrammen befinden würden.
Für diejenigen, die diese Geschichte nicht kennen: Bob Joyce präsentiert sich selbst als Elvis Presley und spricht auf seinem Kanal auch darüber.
Ich muß zugeben, daß ich geneigt bin, ihm das zu glauben. Andernfalls müßte man fast an einen Klon glauben.
Nun könnte man an dieser Stelle natürlich lachen.
Die meisten Menschen tun das.
900 Tote sollen noch leben?
Klingt verrückt.
Doch genau an diesem Punkt wurde die Geschichte für mich interessant.
Nicht weil ich plötzlich überzeugt war.
Sondern weil ich mich fragte:
Wie unmöglich ist unmöglich?
Ab wann halten wir etwas eigentlich für unmöglich?
Bei zehn Personen?
Bei hundert?
Bei neunhundert?
Oder einfach deshalb, weil die Zahl so groß klingt?
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr verschob sich mein Blick.
Plötzlich ging es gar nicht mehr um Elvis.
Es ging um Vertrauen.

Wahrheit, Vertrauen und Zweifel
Woran erkennen wir eigentlich, daß etwas wahr ist?
Weil es in der Zeitung steht?
Weil es im Fernsehen gesagt wurde?
Weil eine Behörde es bestätigt?
Weil viele Menschen dasselbe glauben?
Oder weil wir die Beweise selbst geprüft haben?
Wie alt wären diese Menschen heute überhaupt?
Als ich einige Namen durchging, wurde schnell klar, daß manche inzwischen weit über 100 Jahre alt sein müßten.
Allein diese Tatsache spricht gegen viele Behauptungen.
Doch gleichzeitig entstand eine andere Frage.

Reicht ein einziger Fall?
Muß eine Liste vollständig wahr sein, um interessant zu sein?
Nehmen wir einmal an, 899 Namen wären falsch.
Was wäre mit dem letzten?
Würde dessen Existenz automatisch ausgeschlossen sein?
Oder würde bereits ein einziger echter Fall genügen, um neue Fragen aufzuwerfen?
Genau hier beginnt für mich das eigentliche Gedankenexperiment.
Welche Spuren würden überhaupt übrig bleiben?
Lumi argumentierte, daß bei hunderten oder gar 900 Personen irgendwann die Zahl der Mitwisser, Dokumente, Behörden, Ärzte, Bestatter und Angehörigen so groß würde, daß eine solche Vertuschung kaum möglich erscheint.
Mein erster Einwand:
Warum eigentlich?
Wenn jemand offiziell stirbt und in ein Zeugenschutzprogramm geht, braucht der Zahnarzt keine Akte mehr. Die wird archiviert. Das Erbe wird geregelt. Versicherungen werden ausgezahlt. Das alte Leben endet offiziell.
Die spannende Frage lautet also:
Welche Spuren würden überhaupt übrig bleiben?
Warum Menschen verschwinden
Denn Menschen verschwinden tatsächlich.
Zeugenschutzprogramme existieren.
Neue Identitäten existieren.
Geheimdienste existieren.
Informanten existieren.
Whistleblower existieren.
Die Frage lautet also nicht:
Kann ein Mensch verschwinden?
Die Frage lautet:
Welcher Grund wäre stark genug, damit ein Mensch alles zurückläßt?
Seine Freunde.
Seine Nachbarn.
Seine Gewohnheiten.
Seinen Namen.
Seine Vergangenheit.
Sein bisheriges Leben.
Für die meisten Menschen wäre das kaum vorstellbar.
Für andere könnte es die einzige Möglichkeit sein.
Dabei muß man keineswegs nur an Kriminalität denken.
Mögliche Gründe gibt es viele:
- Bedrohungen durch organisierte Kriminalität
• politische Verfolgung
• Geheimdienstkontakte
• Schutz der Familie
• Stalking und Morddrohungen
• Flucht vor extremer Öffentlichkeit
• psychische Zusammenbrüche
• der Wunsch nach einem völligen Neuanfang
Je größer die Gefahr oder der innere Druck, desto nachvollziehbarer wird ein solcher Schritt.
Deshalb muß letztlich jeder Fall einzeln betrachtet werden.
Die bekanntesten Fallbeispiele
Wer sich länger mit solchen Theorien beschäftigt, stellt fest, daß bestimmte Namen immer wieder auftauchen. Manche seit Jahrzehnten.
Elvis Presley (wäre heute 91 Jahre alt)
Große Kontakte, Ruhm, mögliche Bedrohung, starker Wunsch nach Rückzug denkbar.
Diana (wäre heute 65 Jahre alt)
Politische Brisanz, Monarchie, Medienjagd, viele Interessen im Umfeld.
John F. Kennedy – JFK (wäre heute 109 Jahre alt)
Staatsmacht, Feinde, Geheimdienstnähe; das hohe Alter macht die Theorie heute allerdings problematisch.
Robert F. Kennedy – RFK (wäre heute 101 Jahre alt)
Politisch brisant, ähnliche Machtkonflikte wie bei JFK.
Marilyn Monroe (wäre heute 100 Jahre alt)
Nähe zu Machtkreisen, mögliche brisante Informationen.
Michael Jackson (wäre heute 68 Jahre alt)
Extremer Druck, Geld, Musikindustrie, Medienkrieg, Rückzugswunsch für manche Beobachter nachvollziehbar.
Tupac Shakur (wäre heute 55 Jahre alt)
Gewaltumfeld, Gang- und Musikindustrie, Zeugenschutz als Theorie für manche denkbarer.
Kurt Cobain (wäre heute 59 Jahre alt)
Eher ein möglicher Ausstieg aus Ruhm und Öffentlichkeit als ein klassischer Zeugenschutzfall.
Freddie Mercury (wäre heute 80 Jahre alt)
Rückzug theoretisch denkbar, die bekannte Krankheitsgeschichte macht die Theorie jedoch schwieriger.
Paul Walker (wäre heute 53 Jahre alt)
Unfalltod, Film- und Charitykontakte; Zeugenschutz eher schwach, wird aber dennoch immer wieder diskutiert.
Vergleich
Am plausibelsten im Zeugenschutz-Sinn erscheinen für viele Beobachter:
- Diana
• JFK / RFK
• Marilyn Monroe
• Tupac Shakur
Weil hier Macht, Gefahr, Wissen oder politische Interessen eine Rolle gespielt haben könnten.
Eher „Ausstieg aus Ruhm“ statt klassischer Zeugenschutz:
- Elvis Presley
• Michael Jackson
• Kurt Cobain
• Freddie Mercury
Am schwächsten:
- Paul Walker
Der beste Prüfmaßstab wäre immer:
Hatte die Person gefährliches Wissen?
Hatte sie echte Feinde?
Gab es einen nachvollziehbaren Schutzbedarf?
Und hätte sie überhaupt die Kontakte gehabt, um ein solches Verschwinden organisieren zu können?
Die drei Gruppen
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr fiel mir auf, daß Menschen sehr unterschiedlich auf solche Geschichten reagieren.
Die Hoffenden
Sie wollen nicht, daß ihr Held gestorben ist.
Elvis, Diana, Michael Jackson oder Marilyn waren für viele mehr als Prominente.
Die Mißtrauischen
Sie glauben offiziellen Erzählungen nicht mehr.
Nach Kriegen, Geheimdiensten, politischen Lügen und Skandalen fragen sie automatisch:
„Stimmt die Geschichte wirklich?“
Die Suchenden
Sie interessiert die tiefere Frage:
Wer kontrolliert Informationen?
Was ist Wahrheit?
Kann eine Identität verschwinden?
Die andere Sicht
Kritiker solcher Theorien verweisen auf einen naheliegenden Einwand:
Wenn Hunderte Prominente noch leben würden, müßten irgendwo belastbare Beweise existieren.
Zum Beispiel:
- aktuelle DNA-Daten
• aktuelle Fotos
• aktuelle Dokumente
• aktuelle Zeugen
Befürworter entgegnen darauf, daß solche Informationen durchaus existieren könnten, ohne jemals öffentlich zugänglich zu werden.
Genau hier verläuft die eigentliche Streitlinie.
Die Frage lautet dann nicht mehr:
Gibt es Beweise?
Sondern:
Wer hätte Zugang zu ihnen?
Und genau an diesem Punkt wird die Diskussion schwierig.
Denn Außenstehende können weder beweisen, daß solche Informationen existieren, noch beweisen, daß sie nicht existieren.
Damit bleibt am Ende vor allem eine Frage:
Wie geht man mit Behauptungen um, die sich weder eindeutig beweisen noch eindeutig widerlegen lassen?
Warum solche Geschichten nie verschwinden
Vielleicht liegt die eigentliche Faszination solcher Listen gar nicht bei den Namen.
Gar nicht bei Elvis.
Gar nicht bei Diana.
Sondern bei etwas viel Tieferem.
- Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit.
- Die Sehnsucht nach Wahrheit.
- Die Sehnsucht, daß nicht alles so ist, wie es scheint.
Und genau deshalb werden Menschen vermutlich auch in 100 Jahren noch darüber diskutieren, ob Elvis lebt, ob Diana überlebt hat oder ob irgendwo auf der Welt jemand unter neuer Identität weiterlebt.
Fazit
Vielleicht ist die spannendste Frage gar nicht, wer noch lebt.
Vielleicht ist die spannendste Frage:
Warum vertrauen manche Menschen jeder offiziellen Geschichte – und andere keiner einzigen?
Zwischen blindem Glauben und blindem Mißtrauen liegt ein schmaler Weg:
Fragen stellen.
Prüfen.
Vergleichen.
Offen bleiben.
Denn Aufklärung beginnt nicht mit einer Antwort.
Sie beginnt mit einer guten Frage.
