Bürgermeister, Landwirt, Unternehmer – welche Zukunft will Manfred Gerdes für Dörpen? Wahl 2026!

Manfred Gerdes Biohof

Am 13. September 2026 wird in Dörpen gewählt.

Und vor einer Kommunalwahl sollten wir nicht nur darauf schauen, was auf Wahlplakaten steht. Wir dürfen auch fragen, welche Vorstellungen von Zukunft diejenigen selbst vertreten und vorleben, die unsere Gemeinde politisch gestalten wollen.

Manfred Gerdes ist Bürgermeister der Gemeinde Dörpen und zugleich Landwirt.

Gerade deshalb halte ich es für legitim, seine öffentlich dokumentierten betrieblichen Planungen einmal genauer anzusehen.

Drei neue Hähnchenställe

In öffentlich zugänglichen Planungsunterlagen wird die Erweiterung und Umstrukturierung seiner Masthähnchenanlage beschrieben.

Geplant ist der Neubau von drei weiteren Masthähnchenställen, während gleichzeitig die Tierplatzzahlen in vorhandenen Ställen verändert werden sollen.

Nach den dort dargestellten Varianten könnte die Gesamtanlage anschließend entweder

204.000 Masthähnchen in Haltungsform 2

oder

132.000 Masthähnchen in Haltungsform 3

umfassen.

Es handelt sich hier um Angaben aus öffentlich zugänglichen Planungsunterlagen.

Und wie sähe Bio aus?

An dieser Stelle wird der Unterschied interessant.

„Bio“ bedeutet bei Masthähnchen nämlich erheblich mehr als eine andere Nummer bei der Haltungsform.

Nach den geltenden EU-Vorgaben für ökologische Geflügelhaltung dürfen in festen Ställen höchstens 21 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter gehalten werden. Masthähnchen müssen grundsätzlich Zugang zu bewachsenem Freigelände erhalten. Bei festen Ställen sind dafür mindestens 4 Quadratmeter Außenfläche pro Tier vorgesehen.

Außerdem dürfen in einem einzelnen Stallabteil höchstens 4.800 Masthähnchen gehalten werden. Die Gesamtnutzfläche der Mastgeflügelställe einer Produktionseinheit darf 1.600 Quadratmeter nicht überschreiten.

Die Tiere müssen zudem während mindestens eines Drittels ihres Lebens Zugang zum Freien haben, soweit nicht vorübergehende gesetzliche Einschränkungen entgegenstehen.

Was bedeutet allein der vorgeschriebene Auslauf bei den hier genannten Tierzahlen?

Bei 132.000 Hähnchen wären rechnerisch mindestens 528.000 Quadratmeter – also 52,8 Hektar – Freigelände erforderlich.

Bei 204.000 Hähnchen wären es sogar 816.000 Quadratmeter oder 81,6 Hektar.

Natürlich gehört zu einem zertifizierten Bio-Betrieb noch erheblich mehr: ökologische Fütterung, Herkunft der Tiere, Medikamenteneinsatz, Kontrollen und weitere Anforderungen.

Aber allein diese Flächenzahlen zeigen, wie grundlegend anders eine ökologische Hähnchenhaltung gedacht ist.

Und genau deshalb finde ich die Frage spannend:

Muss man bei einer betrieblichen Erweiterung zwangsläufig noch mehr Tiere halten – oder könnte eine Investition nicht auch genutzt werden, um grundsätzlich in eine andere Richtung zu gehen?

Auch ein Windrad ist geplant

Daneben wird in den Planungsunterlagen eine Windenergieanlage auf dem Grundstück von Manfred Gerdes behandelt.

Genannt wird eine Anlage vom Typ Leitwind LTW42 mit 250 kW Leistung.

Gegen erneuerbare Energien ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Im Gegenteil.

Und natürlich ist auch konventionelle Landwirtschaft innerhalb der gesetzlichen Vorgaben zulässig.

Aber genau hier beginnt für mich die viel interessantere Diskussion:

Muss Zukunft immer „mehr“ bedeuten?

Mehr Stallfläche.

Mehr Tiere.

Mehr Produktion.

Mehr Technik.

Oder könnte Zukunft nicht auch bedeuten:

weniger Masse und dafür mehr Qualität?

Gerade im landwirtschaftlich geprägten Emsland wäre es spannend, über neue Wege nachzudenken.

Warum beispielsweise nicht über die schrittweise Entwicklung hin zu einem Biohof?

Ein Hof, der erneuerbare Energie mit höheren Tierwohlstandards, regionaler Vermarktung und ökologischer Landwirtschaft verbindet, wäre schließlich ebenfalls ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb.

Vielleicht sogar einer, mit dem sich Dörpen weit über seine Gemeindegrenzen hinaus positiv präsentieren könnte.

Vorbildfunktion bedeutet nicht Bevormundung

Natürlich kann niemand von einem Bürgermeister verlangen, seinen privaten Betrieb nach den Vorstellungen anderer Menschen zu führen.

Aber ein Bürgermeister ist eben nicht nur Privatperson.

Wer politische Verantwortung übernimmt und darüber mitentscheidet, wie sich eine Gemeinde entwickelt, muss sich auch öffentliche Fragen zu den eigenen Vorstellungen von Entwicklung gefallen lassen.

Und das ist keine persönliche Attacke. Das ist Demokratie.

Auf der Internetseite der Gemeinde wird davon gesprochen, Dörpen gemeinsam noch lebenswerter zu gestalten und Tradition mit neuen Entwicklungen zu verbinden.

Genau diesen Anspruch nehme ich ernst.

Deshalb frage ich Manfred Gerdes ganz offen:

Warum nicht den eigenen Hof zum Vorzeigeprojekt machen?

Weniger Masse.

Höhere Tierwohlstandards.

Erneuerbare Energie ohne Wind-Vogel-Schredder-Anlage

Regionale Vermarktung.

Und vielleicht langfristig ein Biohof.

Das wäre keine Abkehr von der Landwirtschaft.

Es wäre Landwirtschaft mit einer anderen Zielrichtung.

Und möglicherweise eine ziemlich zukunftsfähige.

Vor einer Wahl sollten solche Fragen ausdrücklich erlaubt sein.

Denn am 13. September entscheiden wir nicht nur darüber, wer im Gemeinderat sitzt oder Bürgermeister bleibt.

Wir entscheiden auch darüber, welche Vorstellung von Zukunft wir unterstützen wollen.

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Von Wiensworld

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