– Kontrolle statt Vertrauen
Es klingt absurd.
Und doch ist es Realität:
Bauern erzeugen Lebensmittel –
und kaufen sie anschließend im Supermarkt zurück.
Nicht aus Bequemlichkeit.
Sondern weil das System es erzwingt.

-
Der Bauer darf erzeugen – aber nicht frei verkaufen
Ein Bauer ist heute vor allem eines:
Rohstofflieferant.
Sobald er direkt verkaufen will, wird er etwas anderes:
Lebensmittelunternehmer mit Haftung, Auflagen und Risiko.
Das bedeutet:
- Hygienevorschriften wie in der Industrie
- Dokumentationspflichten
- Kühlketten
- Rückverfolgbarkeit
- Schulungen
- Kontrollen – ja besonders die Kontrolle des Geldes, das die Bauern verdienen.
Für kleine Höfe ist das:
- wirtschaftlich kaum tragbar
- zeitlich kaum leistbar
- nervlich kaum auszuhalten
Direktvertrieb ist nicht verboten.
Er ist bürokratisch entmutigt.
-
Warum es kaum noch Milch direkt vom Bauern gibt
Dabei ist frische Milch direkt aus dem Euter was Feines. Ich kann mich noch daran erinnern. Heute wird sie Ultra-hocherhitzt, nicht wegen der Bakterien, sondern wegen der Haltbarkeit. Wenn irgendwo auf der Verpackung Frischmilch draufsteht ist das schon gelogen.
Rohmilch darf nur:
- unter strengen Bedingungen
- mit Warnhinweisen – (völliger Blödsinn ich koche Frischmilch (Milchtanke) nie ab und bin auch noch nie daran erkrankt.)
- bei dokumentierter Hygiene
Das Risiko trägt allein der Bauer.
Ein Fehler – und er haftet.
Also geht die Milch:
- an die Molkerei
- wird industrialisiert
- normiert
- anonymisiert
Und landet später im Regal.
Der Bauer kauft sie zurück.
Pasteurisiert. Verpackt. Teurer.
-
Fleisch: Das Tier gehört dem Bauern – das Fleisch nicht
Ein Bauer darf:
- ein Tier großziehen
- es versorgen
- Verantwortung tragen
Aber er darf nicht frei darüber verfügen.
Schlachtung:
- nur im zugelassenen Schlachthof
- mit Transport
- mit Stress fürs Tier
- mit Gebühren
Hausschlachtung:
- extrem eingeschränkt
- Notfälle streng geregelt
- oft nur für Eigenverbrauch
Und selbst der:
- dokumentationspflichtig
- steuerlich relevant – wobei wir wieder bei der Geldkontrolle sind!
Das Resultat:
Der Bauer darf sein Tier pflegen – aber nicht souverän entscheiden.
-
Hofladen: Freiheit mit Genehmigung
Der Hofladen gilt als romantische Lösung.
In Wahrheit ist er:
- genehmigungspflichtig
- kontrolliert
- steuerlich erfasst
- haftungsrelevant
Ein Hofladen ist keine Freiheit, sondern eine regulierte Ausnahmezone.
Darum gibt es ihn nur:
- wo jemand Zeit, Geld und Kraft hat
- nicht dort, wo Landwirtschaft eigentlich ist
-
Der eigentliche Bruch: Beziehung wurde ersetzt
Früher:
- Bauer ↔ Nachbar
- Vertrauen
- Gesicht
- Ort
Heute:
- Bauer → Industrie → Handel → Kunde
- Verträge
- Normen
- Kontrolle
Beziehung gilt als Risiko.
Anonymität als Sicherheit.
-
Warum das System so gebaut ist
Direkter Verkauf bedeutet:
- Vertrauen
- Überschaubarkeit
- Verantwortung vor Ort
Das ist schwer steuerbar.
Zentraler Handel bedeutet:
- Normierung
- Kontrolle
- Skalierung
Das ist perfekt steuerbar.
Darum:
- verschwinden Hofläden
- verschwinden Direktbeziehungen
- entstehen fensterlose Konsumräume
Alles folgt derselben Logik. „Alles für „Unsere Demokratie“ – nicht deine – ihre!
-
Der Wahnsinn in einem Satz
- Der Bauer darf Milch melken,
aber nicht frei als Milch verkaufen. - Er darf ein Tier aufziehen,
aber nicht frei als Fleisch weitergeben. - Er darf erzeugen,
aber nicht bestimmen, was daraus wird.
Das „Lebensmittel-Sein“ wird ihm abgenommen und ersetzt durch:
- Normierung
- Verarbeitung
- Industrialisierung
- Handel
Er ist Produzent.
Kein Versorger mehr.
Schlusswort
Wenn Bauern ihr eigenes Essen im Supermarkt kaufen müssen, ist das kein Marktversagen.
Es ist Systemdesign.
Und es ist krank – nicht emotional, sondern strukturell.
Und wie ändern wir das jetzt?
Literatur:
Symphonie der Zellen für die Hausapotheke
SOZ-Schmerzfrei
SOZ- Kinder
SOZ: Die Allchemie der Glücksmomente
