Parteibücher zurückgeben und wieder selbst denken

Weg mit den Parteibüchern

Die friedlichste Revolution beginnt im eigenen Kopf

Manchmal wäre die friedlichste Revolution ganz einfach: Parteibücher zurückgeben, Lager verlassen und wieder selbst denken.

Denn das eigentliche Problem unserer Zeit ist nicht nur, welche Partei gerade vorne liegt. Das Problem ist, daß viele Menschen ihr eigenes Urteil an ein politisches Lager abgegeben haben. Links, rechts, konservativ, progressiv, liberal, grün, patriotisch – überall entstehen Gruppen, die zuerst verteidigen, was „die eigenen Leute“ sagen, und erst danach prüfen, ob es überhaupt stimmt.

Erst die Wahrheit, dann die Partei

Dabei müßte Politik genau andersherum funktionieren. Erst die Sache. Dann die Lösung. Und ganz am Ende vielleicht eine Partei, wenn sie überhaupt noch gebraucht wird.

Wenn Washington plötzlich ausspricht, was Europa verdrängt

Gerade die neue außenpolitische Richtung aus den USA zeigt, wie sehr das alte Machtgefüge ins Wanken kommt. Wenn Washington plötzlich europäische Zustände kritisiert, Migration, Meinungsfreiheit, EU-Macht und den Umgang mit Opposition anspricht, dann verschiebt sich etwas. Für Parteien wie die AfD kann das Rückenwind bedeuten. Sie können sagen: Seht her, das, was wir seit Jahren kritisieren, wird nun auch international ausgesprochen.

Der Rückenwind für die AfD

Das kann mehrere Folgen haben.

Erstens: Die AfD wird außenpolitisch anschlußfähiger. Vor allem im Umfeld von MAGA, konservativen US-Kreisen und europakritischen Netzwerken. Das gibt ihr symbolische Stärke. (Meiner Meinung nach wird die AFD und zurück ins Kaiserreich führen, nachdem der Ami abgezogen ist.)

Die Nervosität der etablierten Parteien

Zweitens: Die etablierten Parteien werden nervöser. Denn wenn Kritik nicht mehr nur aus dem Inland kommt, sondern aus Washington, kann man sie schwerer als rein „rechts“ oder „randständig“ abtun.

Der alte Reflex: Kritik einhegen statt prüfen

Drittens: Die EU und die Bundesregierung könnten noch härter auf Abwehr schalten. Dann wird schnell von Einmischung, Desinformation und Angriff auf die Demokratie gesprochen. Das wäre die alte Reflexbewegung: Kritik nicht prüfen, sondern einhegen.

Sie ohne Partei, denke selbst

Wenn der Apparat lauter wird als das Gewissen

Viertens: Innerhalb der Parteien könnte es stärker knirschen. Denn nicht jedes Parteimitglied ist automatisch bereit, jeden Kurs mitzutragen. Manche sind aus Überzeugung eingetreten, nicht um Machtspiele, Sprachregelungen und Fraktionsdisziplin zu bedienen. Wenn der Druck steigt, könnten genau diese Menschen anfangen zu fragen: Diene ich noch einer Sache – oder nur noch einem Apparat?

Der innere Austritt beginnt vor dem Parteiaustritt

Und genau da liegt die eigentliche Hoffnung.

Vielleicht treten nicht morgen alle aus ihren Parteien aus. Aber vielleicht beginnen mehr Menschen, innerlich auszutreten. Aus der blinden Treue. Aus der reflexhaften Empörung. Aus dem automatischen Mitklatschen. Aus der Angst, gegen das eigene Lager zu denken.

Demokratie braucht wache Menschen, keine Parteisoldaten

Denn Demokratie lebt nicht von Parteidisziplin. Sie lebt von Menschen, die hinschauen, vergleichen, fragen und den Mut haben, auch die eigene Seite zu korrigieren.

Wir brauchen keine neuen Lagerheiligen. Wir brauchen Menschen, die den inneren Parteisoldaten entlassen.

Weniger „Was sagt meine Partei dazu?“
Mehr „Was ist wahr?“

Weniger „Wer hat es gesagt?“
Mehr „Stimmt es?“

Weniger Lagerkrieg.
Mehr Gemeinwohl.

Die neue Bruchlinie: Apparate gegen wache Menschen

Die kommende Bruchlinie verläuft vielleicht gar nicht mehr zwischen links und rechts. Sie verläuft zwischen Apparaten und wachen Menschen. Zwischen Denkgehorsam und eigenem Urteil. Zwischen Machtlogik und Verantwortung.

Der gefährlichste Parteiausweis liegt im Bewußtsein

Denn der gefährlichste Parteiausweis ist nicht der, der in der Schublade liegt.

Der gefährlichste Parteiausweis ist der unsichtbare: jener Stempel im Bewußtsein, der entscheidet, bevor der Mensch überhaupt geprüft hat.

Wer diesen Stempel ablegt, wird wieder frei.

Frei, eine Partei zu wählen.
Frei, eine Partei zu kritisieren.
Frei, eine Partei zu verlassen.
Frei, einer Sache zu dienen, ohne einem Apparat zu gehören.

Geistige Uniform ausziehen

Die beste Prognose wäre also nicht, daß eine Partei die andere besiegt.

Die beste Prognose wäre, daß Menschen aufhören, als Lagerwesen zu funktionieren.

Daß sie ihre geistige Uniform ausziehen.

Daß sie wieder selbst denken.

Und daß aus Parteivolk endlich wieder ein mündiges Volk wird.

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Wiensworld

Von Wiensworld

Selbst und das ständig!