204.822.241 Datensätze, gespeichert in einer 45 Gigabyte großen Datei. Namen, Alter, Telefonnummern und Adressen amerikanischer Wähler. (Im Anhang die Files per PDF auf deutsch übersetzt von Lumi meiner Assistentin die nie Urlaub will….;-))
Dieser Eintrag findet sich in einer inzwischen freigegebenen geheimdienstlichen Tabelle. Als Informationsjahr wird 2016 genannt. Dem Bericht zufolge deutete eine heruntergeladene Datei darauf hin, dass sich dieser Datenbestand möglicherweise im Besitz der Volksrepublik China befand.
Die Zahl steht dort beinahe unscheinbar zwischen zahlreichen weiteren Einträgen. Doch sie beschreibt einen Datenbestand in einer Größenordnung, die weit über einzelne Bundesstaaten hinausgeht.
Dabei handelt es sich nicht um Stimmzettel und auch nicht um eine dokumentierte Veränderung von Wahlergebnissen. Beschrieben werden Wähler- und Registrierungsdaten. Die Unterlagen zeigen jedoch, wie umfangreich solche Informationen gesammelt, miteinander verbunden und ausgewertet werden können.
Mehr als Namen und Adressen
Die Datei mit den mehr als 204 Millionen Datensätzen war offenbar nicht der einzige Bestand.
In derselben Tabelle erscheinen drei weitere, namentlich geschwärzte US-Bundesstaaten mit 1.746.069, 7.893.248 und 5.578.302 Datensätzen. Bei einem dieser Bestände werden neben den Namen auch Wählerkennungen, frühere und aktuelle Anschriften, Geburtsdaten, Geschlecht und Angaben zur Staatsbürgerschaft aufgeführt.
Weitere Wählerdatenbanken einzelner Staaten erscheinen ohne Mengenangaben. Hinzu kommen 7,42 Gigabyte E-Mails einer geschwärzten US-Person, die nach der Beschreibung wahlbezogenes Material enthielten.
Ein zweites Dokument geht noch weiter. Es beschreibt eine chinesische Auswertung von Wählerregistrierungsinformationen aus 18 US-Bundesstaaten.
Darin ging es nicht nur um Kontaktdaten. Genannt werden:
- Namen und Geburtsdaten
- Wohn- und Postanschriften
- Parteizugehörigkeit
- historische Wahl- und Umfragedaten
- politische Spenden
- demografische Merkmale
- militärische Zugehörigkeit
- zugeordnete Wahllokale
Allein für North Carolina erwähnt das Dokument Informationen zu mehr als acht Millionen Wählern.
Nach den Unterlagen sollten diese Daten für Identitätsabgleiche, die Suche nach weiteren personenbezogenen Informationen und die Analyse der öffentlichen Meinung verwendet werden. Aus einzelnen Einträgen konnten so wesentlich umfassendere Personenprofile entstehen.
Der Wert der Daten lag demnach nicht allein in einer Liste von Namen. Entscheidend war die Möglichkeit, verschiedene Informationen einer Person miteinander zu verbinden: Wohnort, politische Zuordnung, Spendenverhalten, Wahlhistorie und weitere persönliche Merkmale.
Mindestens 18 US-Bundesstaaten betroffen
Eine Erklärung der Government Transparency Task Force des Weißen Hauses vom 13. Juli 2026 fasst die Freigabe dahingehend zusammen, dass Wählerlisten aus mindestens 18 Bundesstaaten durch die Volksrepublik China kompromittiert worden seien.
Zusätzlich nennt die Erklärung die mehr als 200 Millionen Wählerdatensätze, die keinem einzelnen Bundesstaat zugeordnet werden konnten.
In den veröffentlichten Unterlagen tauchen namentlich folgende Staaten auf:
Alaska, Arkansas, Colorado, Connecticut, Florida, Georgia, Iowa, Kansas, Maryland, Michigan, New York, North Carolina, Ohio, Oklahoma und Rhode Island. Außerdem wird der District of Columbia genannt.
Damit sind allerdings nicht alle 18 in den Dokumenten erwähnten Bundesstaaten identifiziert. Einige Namen wurden geschwärzt oder nicht ausdrücklich aufgeführt.
Nicht jeder Zugriff war ein Hackerangriff
Die Akten zeigen zugleich, dass nicht jeder Datenzugriff auf einen Einbruch in ein geschütztes Computersystem zurückzuführen war.
Am 14. Januar 2022 lud ein chinesischer Akteur öffentlich verfügbare Wählerregistrierungsdaten aus sechs Bundesstaaten von kommerziellen amerikanischen Webseiten herunter:
Colorado, Connecticut, Florida, Michigan, Oklahoma und Rhode Island.
Die angebotenen Daten stammten aus den Jahren 2013 bis 2021 und umfassten offenbar vollständige Bestände. Ein weiterer Downloadversuch für einen Registrierungsantrag aus Ohio scheiterte.
Der Bericht konnte nicht feststellen, aus welchem konkreten Grund die Daten heruntergeladen wurden. Als mögliche spätere Verwendung wurden Cyber- oder Einflussoperationen genannt. Das Dokument bezeichnete diese Möglichkeiten jedoch als theoretisch und nicht als nachgewiesenen Einsatzzweck. (Hier verweise ich auf den Beitrag vom Wahrheitsjäger mit Carsten)
Das ist ein wichtiger Unterschied: In den USA sind Teile der Wählerregistrierungsdaten je nach Bundesstaat öffentlich oder kommerziell erhältlich. Der Besitz solcher Daten beweist deshalb für sich allein weder einen Hackerangriff noch eine Manipulation der Wählerlisten.
Die Unterlagen zeigen vielmehr, dass öffentlich zugängliche Daten in großem Umfang gesammelt und anschließend mit anderen Informationen verbunden werden konnten.

Aus dem Sammeln wurde eine fortlaufende Beobachtung
Die Aktivitäten endeten offenbar nicht mit dem Wahljahr 2016.
Ein Dokument aus dem Jahr 2023 beschreibt den Austausch beziehungsweise Kauf von Wählerdaten aus dem Wahljahr 2020. Genannt werden Städte und Gebiete in Arkansas, Colorado, Connecticut, Florida, Michigan, North Carolina und Ohio.
Ein weiteres Papier berichtet von einer Anweisung, nicht näher bezeichnete US-Wahlen im Jahr 2024 ins Visier zu nehmen. Gegenstand waren erneut Wählerregistrierungsinformationen. Außerdem wurde ein möglicher Einsatz in einem sogenannten Swing State diskutiert – also in einem Bundesstaat, dessen Wahlausgang als besonders offen gilt.
Die Analysten vermuteten, dass sich die Anweisung auf die Präsidentschaftswahl bezog. Im Dokument ist diese Schlussfolgerung jedoch ausdrücklich als analytische Einschätzung und nicht als festgestellte Tatsache gekennzeichnet.
Eine tatsächlich ausgeführte Veränderung von Wählerregistrierungen, Stimmzetteln oder Wahlergebnissen wird in diesen Unterlagen nicht beschrieben.
Der Blick auf den Biden-Wahlkampf
Auch für die Zeit vor der Präsidentschaftswahl 2020 finden sich Hinweise auf chinesische Aktivitäten.
Ein gemeinsames Papier von CIA, FBI und NSA vom 1. Juli 2020 berichtet, dass chinesische Akteure Wahlkampfdaten sammelten und Mitarbeiter des damaligen Biden-Wahlkampfs mit Spear-Phishing-E-Mails angriffen.
Spear-Phishing bezeichnet gezielt vorbereitete Nachrichten, mit denen bestimmte Personen zur Preisgabe von Zugangsdaten oder zum Öffnen schädlicher Dateien gebracht werden sollen. Nach den Unterlagen bezeichnete Google die Angriffe auf die Mitarbeiter des Biden-Wahlkampfs als erfolglos.
Darüber hinaus hätten chinesische Akteure Informationen aus US-Wählerdatenbanken, einem Meinungsforschungsunternehmen sowie politischen, gemeinnützigen und Fundraising-Organisationen gesammelt.
Die damalige Einschätzung der beteiligten US-Behörden lautete allerdings, dass China zu diesem Zeitpunkt keine verdeckte Einmischung zur Beeinflussung des Wahlausgangs beabsichtige.
Gleichzeitig hielten die Analysten fest, dass die bereits gesammelten Informationen spätere Einflussoperationen ermöglichen könnten, falls sich die chinesische Führung dafür entscheiden sollte.
Berichte über Maßnahmen gegen eine Wiederwahl Trumps
Eine 2026 erstellte CIA-Notiz fasst ausgewählte sensible Berichte aus den Jahren 2018 bis 2020 zusammen.
Danach habe die chinesische Führung darauf hingearbeitet, eine Wiederwahl Donald Trumps zu verhindern. Beschrieben werden verschiedene Vorgehensweisen:
Wirtschaftlicher Druck sollte demnach gezielt auf politisch wichtige Bundesstaaten und Branchen ausgeübt werden. Einflussreiche amerikanische Personen sollten über Reisen und Honorare gewonnen werden. Außerdem ist von Zahlungen an Journalisten für weitere Beiträge mit negativer Trump-Berichterstattung die Rede.
Die CIA weist allerdings darauf hin, dass diese Zusammenstellung nur eine Auswahl sensibler Berichte darstellt. Sie sei keine vollständige Zusammenfassung aller damals vorliegenden Erkenntnisse.
Innerhalb der US-Geheimdienste herrschte keine Einigkeit
Die Akten vermitteln kein einheitliches Bild der chinesischen Absichten. Vielmehr zeigen sie einen deutlichen Streit zwischen verschiedenen Analysten und Behörden.
Eine Minderheitsanalyse des National Intelligence Council bewertete die verfügbaren Informationen so, dass China mit niedriger bis mittlerer Sicherheit zumindest vorbereitende und niedrigschwellige Einflussmaßnahmen unternommen habe.
Das FBI widersprach Ende Dezember 2020 mehreren dieser Schlussfolgerungen.
Nach Auffassung des FBI gab es keine ausreichenden Belege dafür, dass China tatsächlich beabsichtigte, den Wahlausgang zu beeinflussen. Ebenso gebe es keine belastbaren Hinweise darauf, dass China Proteste in den Vereinigten Staaten angeregt habe.
Das FBI kritisierte zudem unklare Quellenketten und Informationen von Personen, deren Glaubwürdigkeit zweifelhaft gewesen sei.
Interne E-Mails vom November 2020 zeigen, wie scharf dieser Streit zeitweise geführt wurde. Ein NSA-Analyst schrieb, eine bevorstehende Information für den Präsidenten sei bewusst so bearbeitet worden, dass direkte Verbindungen zur Wahl vermieden würden.
Andere Beteiligte hielten dies für eine mögliche Verletzung der vorgeschriebenen analytischen Objektivität.
Aus denselben E-Mails geht jedoch hervor, dass die umstrittene Berichterstattung nicht vollständig verworfen werden sollte. Sie sollte für eine spätere Bewertung der Wahlbeeinflussung zur Verfügung gestellt werden.
Die Nachrichten dokumentieren damit einen internen Konflikt über die Einordnung der Informationen. Sie beweisen für sich allein nicht, dass bestätigte Tatsachen unterdrückt wurden.
Die brisanteste Behauptung blieb unbestätigt
Die weitreichendste Behauptung findet sich in einer rohen FBI-Informationsmeldung vom 25. September 2020.
Darin hieß es, die chinesische Regierung habe gefälschte amerikanische Führerscheine für chinesische Sympathisanten hergestellt und exportiert. Mit echten Kennungen und Adressen amerikanischer Bürger sollten angeblich Zehntausende betrügerische Briefwahlstimmen für Joe Biden ermöglicht werden.
Wäre diese Darstellung bestätigt worden, hätte sie eine direkte Verbindung zwischen China und organisiertem Wahlbetrug bedeutet.
Doch die Meldung selbst enthielt mehrere Warnhinweise.
Es handelte sich um nicht abschließend ausgewertete Rohinformationen. Die Quelle verfügte nur über indirekten Zugang. Keine der Angaben war bestätigt. Außerdem stützte sich die Quelle auf eine weitere Person in China, die wiederum unbenannte chinesische Regierungsvertreter als Ursprung der Informationen angegeben haben soll.
Die Empfänger wurden ausdrücklich angewiesen, ohne vorherige Rücksprache mit dem FBI nicht auf Grundlage dieser Meldung zu handeln.
Das FBI rief den Bericht später zurück, um die Quelle erneut zu befragen.
Eine nachträgliche Überprüfung zeigt, dass FBI-Analysten erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Quelle hatten. Die Person hatte auch andere Behauptungen verbreitet, die nach Einschätzung der Ermittler in Richtung von Verschwörungstheorien gingen.
Eine Nachfrage bei der amerikanischen Grenzbehörde ergab zudem, dass nach deren Erfahrung die große Mehrheit der beschlagnahmten gefälschten Ausweise von jungen Erwachsenen zur Umgehung von Alkoholgesetzen bestellt wurde.
In den jetzt freigegebenen Unterlagen findet sich keine Bestätigung dafür, dass die behaupteten Zehntausenden Briefwahlstimmen vorbereitet oder tatsächlich abgegeben wurden.
Was von den Enthüllungen übrig bleibt
Die freigegebenen Akten dokumentieren ein langjähriges und umfangreiches chinesisches Interesse an amerikanischen Wählerdaten.
Sie beschreiben:
- einen Datenbestand mit 204.822.241 US-Wählerdatensätzen
- Wählerinformationen aus mindestens 18 Bundesstaaten
- detaillierte Angaben zu politischen und persönlichen Merkmalen
- wiederholte Downloads und Käufe von Wählerdaten
- vorgesehene Identitätsabgleiche und Analysen der öffentlichen Meinung
- Aktivitäten und Planungen bis zu den US-Wahlen 2024
- unterschiedliche Bewertungen innerhalb der amerikanischen Geheimdienste
Die Akten zeigen damit, wie aus öffentlich verfügbaren und möglicherweise kompromittierten Daten umfassende Profile amerikanischer Wähler entstehen konnten.
Sie belegen jedoch nicht, dass China Wählerlisten veränderte, Stimmzettel erzeugte oder abgegebene Stimmen manipulierte.
Die brisanteste direkte Wahlbetrugsbehauptung – gefälschte Führerscheine für Zehntausende angebliche Biden-Stimmen – blieb unbestätigt und wurde vom FBI zurückgerufen.
Die dokumentierte Geschichte handelt deshalb vor allem von der Sammlung großer Datenmengen, den daraus entstehenden Möglichkeiten und dem Streit amerikanischer Behörden darüber, wie weit China diese Möglichkeiten tatsächlich nutzen wollte.
Quellen
C1 – WHTF Government Transparency – States Statement FINAL, 13. Juli 2026.
C2 – 200M Voter Records Compromised – declass marked_Redacted.
C3 – 18 States Memo – clean – declass mark_Redacted.
C4 – US Voter Registration for 6 States – clean – declass marked_Redacted.
C5 – PRC US Voter Data 7 States 2023 – clean – declass marked_Redacted.
C6 – PRC Target 2024 Election 2023 – clean – declass marked_Redacted.
C7 – CIA Wire Memo Summer 2020 DECLASS REDACTED, 1. Juli 2020.
C8 – CIA Note – Sensitive PRC Reporting from 2018–2020 DECLASS_REDACTED.
C9 – FBI_ALBANY_IIR_PROVIDED_TO_CHAIRMAN GRASSLEY, 25. September 2020.
C10 – Strategische FBI-Überprüfung zur zurückgerufenen Albany-Meldung.
C11 – Interne NSA-E-Mails vom 20. und 23. November 2020.
C12 – NICM_ChinaStepsToInfluenceElection_16OCT2020_DECLASS_REDACTED.
C13 – FBI-Kommentare zur Minderheitsbewertung vom 30. Dezember 2020.
Chinas-Acquisition-and-Exploitation-of-American-Voter-Data original Fassung
Übersetzung in DE
